Weihnachtspost 2025
Painting And Graphic Art
Palinagonist Art
A Piece Of Starry Sky Is Always Included As Well Art
Chr. Nat. Art
Painting And Graphic Art
Palinagonist Art
A Piece Of Starry Sky Is Always Included As Well Art
Chr. Nat. Art
Seit heute um 16:03 Uhr werden länger wieder die Sonnenstunden.
Ganz langsam. Unmerklich. Und doch zuverlässig, ein Garant.
Eigentlich wollte ich heute ein ganz anderes Bild zeigen, doch heute Morgen erreichte mich der Bildimpuls eines befreundeten Theologen, nun gibt es hier das von Patrik Scherrer besprochene Bild.
Frohe lichtvolle Wünsche für Ihre Zeit im
diesjährigen Weihnachtsgeschehen
und im neuen Jahr 2026.
Weltenallig grüßt
Jörg Länger
Himmelswiege
Vier Personen stehen in Bezug zu einem großen, halbkreisförmigen Sternenhimmel. Die beiden unten Stehenden bilden mit der Person an der Spitze ein Dreieck. Diese schwebt als Brustbild und mit angewinkelten Armen solitär über dem Geschehen. In reinem Gelb gemalt wird sie von einem ebenfalls gelben Halbkreis umfangen, wobei die gelbe Farbe als Hinweis auf einen göttlichen Bereich gedeutet werden kann. Es ist die Wiedergabe der Silhouette des segnenden Pantokrators (= Allmächtiger) im Apsismosaik der Kirche Santa Maria Nuova in Monreale, Sizilien.
Die Wiederholung des göttlichen Kreises um den Sternenhimmel legt nahe, dass dieser eine göttliche Schöpfung ist, ein Sichtbar-Werden seiner Herrlichkeit. Der Künstler wandelt den Sternenhimmel zur überdimensionalen, aber äußerst kostbaren und damit würdevollen Wiege für Jesus. Von oben nach unten betrachtet wird sichtbar, dass der allmächtige Gott Mensch geworden ist und sich den Menschen in die Hände gegeben hat. So schwebt das Kind fast verloren in der Tiefe des Halbrunds der großen Himmelsschale, wären da nicht die beiden Gestalten, die durch ihre Kleidung und leuchtende Aura Jesus zugeordnet sind.
Ihre Vorbilder stammen aus dem Perikopenbuch Heinrichs II., das zwischen 1007 und 1012 im Kloster Reichenau geschrieben und illustriert wurde. Im Vergleich zur ursprünglichen Komposition ist die Geburt Jesu in einen kosmischen Kontext gestellt. Bestand in der Buchmalerei noch eine minimale Berührung Jesu durch die Hände und die Blicke seiner Eltern, ist nun der Abstand unter den Protagonisten größer geworden. Durch das Beibehalten der Farbe ihrer Kleider, die leuchtenden Heiligenscheine und das Eintauchen Marias und Josefs in den Sternenhimmel entsteht jedoch eine neue, enge Beziehung und Familienzugehörigkeit.
Auch das Vorbild zum halbkreisförmigen „Sternenhimmel“ weist auf die außerordentliche Bedeutung der Geburt Jesu. Es handelt sich um den Sternenmantel, den Kaiser Heinrich II. anlässlich der Begegnung mit Papst Benedikt VIII. im Jahre 1020 vom Fürsten Meles von Bari in Bamberg erhalten hat. Seinen Namen erhielt das Festgewand durch die vielen sternförmigen Goldstickereien, mit denen es übersät ist. Aus der am linken, unteren Bildrand angebrachten Inschrift DESCRIPTIO TOCIVS ORBIS kann entnommen werden, dass es sich beim Bildprogramm um eine Beschreibung des ganzen Erdkreises handelt. Christus nimmt dabei in einer Mandorla thronend die zentrale Position im oberen Mantelrücken ein.
Der Künstler hat dem Mantel so gesehen nichts hinzugefügt. Doch Christus steht nicht als Majestas Domini im oberen Teil des Königsmantels, sondern ist dem Betrachter als Kleinkind ganz unten gleichsam zu Füßen gelegt. Damit wird seine Menschwerdung verstärkt zum Ausdruck gebracht. In Verbindung mit dem Sternenmantel Heinrichs II. wird seine herausragende Bedeutung für den Erdkreis und das ganze Universum deutlich. Dem Wunder der göttlichen Geburt angemessen liegt Jesus als Morgenstern in einem unendlichen Sternenmeer, das ihn mit der warmblauen Nacht majestätisch und würdig in den prächtigen Mantel einhüllt.
Patrik Scherrer, 20.12.2025 © Bildimpuls 2025
Hier zum Bildimpuls auf der Web-Seite von Patrik Scherrer
Hier der Text Scherrer-Formatiert
Hier der Text Länger-Formatiert
Die Titel‑, Material- und Formatangaben zum Bild
2025, Palinagonistendruck (Linolschnitt), Ölfarbe, Tinte, Mischtechnik und Blattgold (Schlagmetall), auf Gesso-Halbkreidegrund, auf Holztafel, Kanten gefräst, 38 x 38 cm
Palinagonisten nach:
– Maria, Josef und das Christkind aus dem “Perikopenbuch (Evangelistar) Heinrichs II.”, Kloster Reichenau, 1007 — 1012, München, Bayrische Staatsbibliothek, Signatur Clm 4452
– unbek. Künstler, Pantokrator, Apsismosaik, ca. 1180 n. Chr., Santa Maria Nuova, Monreale, Italien
Das Werk wurde wegen der verschiedenartigen Reflexion der Goldelemente mit 2 Reprografien in unterschiedlicher Beleuchtung abgebildet.